1 Grad weniger Raumtemperatur spart 6 % Heizkosten – diese Faustregel kennen die meisten. Aber wussten Sie, dass allein die Optimierung Ihrer Heizkurve bis zu 15 % bringen kann? Oder dass ein falsches Lüftungsverhalten nicht nur Energie verschwendet, sondern auch Schimmel verursacht? In meiner täglichen Beratungspraxis als Energieberater in Franken sehe ich, wie viel Einsparpotenzial in Gebäuden steckt – oft ohne eine einzige bauliche Maßnahme. Ob Eigenheim oder Mietwohnung, Neubau oder Altbau: Mit den richtigen Handgriffen und etwas Hintergrundwissen können Sie Ihre Heizkosten um 20 bis 30 % senken. In diesem Ratgeber zeige ich Ihnen 12 konkrete Tipps – von sofort umsetzbaren Verhaltensänderungen über die richtige Lüftungstechnik bis hin zur technischen Optimierung Ihrer Heizungsanlage.

Die 5 wichtigsten Fakten auf einen Blick:
• Heizung = ca. 70 % des Energieverbrauchs im Haushalt – hier liegt das größte Sparpotenzial
• 1 °C weniger Raumtemperatur spart rund 6 % Heizkosten
• Stoßlüften statt Kipplüften spart Energie und schützt vor Schimmel
• Technische Optimierung (Heizkurve, hydraulischer Abgleich) bringt 10–25 % Ersparnis – oft kostenlos
• Der steigende CO₂-Preis macht falsches Heizen jedes Jahr teurer – 2026 bereits 65 €/Tonne

Warum richtiges Heizen so wichtig ist

Die Heizung ist mit Abstand der größte Energieverbraucher im Haushalt. Rund 70 % des gesamten Energieverbrauchs eines durchschnittlichen deutschen Haushalts entfallen auf die Raumheizung. Je nach Energieträger und Gebäudezustand liegen die jährlichen Heizkosten für ein Einfamilienhaus zwischen 1.100 und 1.500 Euro – Tendenz steigend.

Das Gute daran: Wo viel Energie verbraucht wird, lässt sich auch viel einsparen. In meiner Beratungspraxis zeigt sich immer wieder, dass 20 bis 30 % Einsparung bei den meisten Gebäuden realistisch sind – ohne eine einzige bauliche Maßnahme. Allein durch richtiges Heizverhalten, kluges Lüften und die Optimierung der vorhandenen Technik. Wer darüber hinaus in Dämmung oder einen Heizungstausch investiert, kann die Kosten noch deutlich stärker senken.

Die 6-%-Regel: 1 Grad weniger, 6 % gespart

Der physikalische Hintergrund ist einfach: Je größer die Temperaturdifferenz zwischen Innenraum und Außenluft, desto mehr Wärme verliert das Gebäude. Jedes Grad, um das Sie die Raumtemperatur senken, reduziert diese Differenz – und damit den Wärmeverlust.

Rechenbeispiel: Bei jährlichen Heizkosten von 2.000 Euro und einer Absenkung um 2 Grad (z. B. von 22 °C auf 20 °C) sparen Sie rund 240 Euro pro Jahr. Das klingt nach wenig – summiert sich aber über die Jahre zu einem erheblichen Betrag.

Praxis-Tipp:
In meinen Beratungen empfehle ich, die gewohnte Temperatur zunächst nur um 1 Grad zu senken und zwei Wochen abzuwarten. Die meisten Menschen gewöhnen sich innerhalb weniger Tage daran und empfinden die neue Temperatur als völlig normal. Danach können Sie bei Bedarf ein weiteres Grad absenken.

CO₂-Preis macht falsches Heizen jedes Jahr teurer

Ein Aspekt, der in vielen Ratgebern fehlt: Der CO₂-Preis verteuert fossile Brennstoffe wie Gas und Öl schrittweise – und das ist politisch so gewollt. Wer heute falsch heizt, zahlt morgen noch mehr.

Jahr CO₂-Preis pro Tonne Mehrkosten EFH (20.000 kWh Gas)
2021 25 € ca. 100 €
2024 45 € ca. 180 €
2025 55 € ca. 220 €
2026 65 € ca. 260 €
2027+ (EU-ETS2) 65–90 € (geschätzt) ca. 260–360 €

Pro 10 Euro CO₂-Preissteigerung pro Tonne erhöhen sich die Gaskosten um etwa 0,5 Ct/kWh und die Ölkosten um rund 0,6 Ct/kWh. Für ein Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Gasverbrauch bedeutet das: Allein durch den CO₂-Preis sind die Heizkosten von 2021 bis 2026 um rund 160 Euro pro Jahr gestiegen. Ab 2027, wenn der nationale CO₂-Preis durch den europäischen Emissionshandel (EU-ETS2) abgelöst wird, könnten die Kosten noch deutlich stärker steigen.

Die Konsequenz: Jede Maßnahme, die Sie heute zur Senkung Ihres Energieverbrauchs ergreifen, wird durch den steigenden CO₂-Preis Jahr für Jahr wertvoller. Mehr zu den aktuellen Entwicklungen und den Auswirkungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) finden Sie auf meiner Übersichtsseite.

Infografik: CO₂-Preis-Entwicklung 2021–2027 und Auswirkung auf Heizkosten

Optimale Raumtemperaturen für jeden Raum

Nicht jeder Raum muss gleich warm sein. Die richtige Temperatur hängt von der Nutzung ab – und genau hier liegt enormes Sparpotenzial, wenn Sie bisher alle Räume gleichmäßig beheizen.

Raum Empfohlene Temperatur Thermostat-Stufe
Wohnzimmer 20–21 °C 3–3,5
Schlafzimmer 16–18 °C 2–2,5
Kinderzimmer 20–22 °C 3–3,5
Badezimmer 22–24 °C 3,5–4
Küche 18–20 °C 2,5–3
Flur / Diele 15–16 °C 2
Gästezimmer / Arbeitszimmer 18–20 °C 2,5–3
Keller (beheizt) 12–15 °C 1–1,5

Infografik: Optimale Raumtemperaturen und Thermostat-Einstellungen für jeden Raum

Wichtig – Schimmelgefahr beachten:
Halten Sie Türen zwischen unterschiedlich beheizten Räumen geschlossen. Sonst strömt warme, feuchte Luft in kühlere Räume – und die Feuchtigkeit kondensiert an den kalten Wänden. Die Temperaturdifferenz zwischen benachbarten Räumen sollte nicht größer als 5 Grad sein. Besonders in Altbauten mit Wärmebrücken steigt sonst die Schimmelgefahr deutlich an.

Thermostat richtig einstellen

Das Thermostat ist eines der am häufigsten missverstandenen Bauteile im Haushalt. Wer es richtig nutzt, spart Energie – wer es falsch bedient, verschwendet sie.

Was die Zahlen auf dem Thermostat bedeuten

Die Zahlen auf dem Thermostatventil stehen für feste Zieltemperaturen – nicht für Heizstufen oder Geschwindigkeit:

Stufe Temperatur
* (Frostschutz) ca. 6 °C
1 ca. 12 °C
2 ca. 16 °C
3 ca. 20 °C
4 ca. 24 °C
5 ca. 28 °C

Zwischen jeder Stufe liegen also rund 4 Grad. Das Thermostatventil enthält ein Dehnstoffelement, das sich bei steigender Raumtemperatur ausdehnt und den Wasserdurchfluss automatisch drosselt. Sobald die Zieltemperatur erreicht ist, schließt das Ventil – unabhängig davon, auf welcher Stufe es steht.

Häufiger Irrtum:
Voll aufdrehen heizt nicht schneller! Wer das Thermostat auf Stufe 5 dreht, damit der Raum schneller warm wird, erreicht nur eines: Der Raum wird auf 28 °C überheizt. Die Aufheizgeschwindigkeit bleibt dieselbe. Stellen Sie das Thermostat immer auf die gewünschte Zieltemperatur – für 20 °C also auf Stufe 3.

Programmierbare und smarte Thermostate

Programmierbare Thermostate senken die Temperatur automatisch, wenn Sie schlafen oder nicht zu Hause sind. Smarte Thermostate gehen noch weiter: Sie lernen Ihren Tagesablauf, erkennen offene Fenster und lassen sich per App steuern.

  • Kosten: ab 15 Euro (programmierbar) bis 50–80 Euro (smart, z. B. Fritz!DECT, tado)
  • Ersparnis: 5–10 % durch automatische Absenkung bei Abwesenheit und nachts
  • Amortisation: Bei 2.000 Euro Heizkosten und 8 % Ersparnis = 160 Euro pro Jahr. Bei einer Investition von 200 Euro (5 Heizkörper x 40 Euro) rechnet sich das in knapp 1,5 Jahren.
Praxis-Tipp:
Smarte Thermostate lohnen sich besonders bei unregelmäßigen Tagesabläufen – die Heizung läuft wirklich nur dann, wenn jemand zu Hause ist. In Mietwohnungen sind sie eine ideale Lösung, weil sie bei Auszug einfach gegen die Originalventile getauscht werden können. Verwechseln Sie die Thermostat-Steuerung aber nicht mit der Heizkurven-Optimierung (siehe Abschnitt „Technische Optimierung") – das sind zwei verschiedene Dinge.

Richtig lüften: Stoßlüften statt Kipplüften

Richtiges Lüften ist mindestens genauso wichtig wie richtiges Heizen. Ein gekipptes Fenster ist einer der teuersten Fehler, die Sie machen können: Die Wände kühlen rund um das Fenster aus, die Heizung arbeitet gegen das offene Fenster an, und die Feuchtigkeit kondensiert an den ausgekühlten Bauteilen – ein idealer Nährboden für Schimmel am Fenster.

Lüftungsdauer nach Jahreszeit

Die empfohlene Dauer für Stoßlüften hängt von der Außentemperatur ab:

Jahreszeit Empfohlene Lüftungsdauer
Winter (Dezember–Februar) 5 Minuten
Frühling / Herbst (März–Mai / September–November) 10–15 Minuten
Sommer (Juni–August) 20–30 Minuten (morgens/abends)

Querlüften – also gegenüberliegende Fenster gleichzeitig öffnen – ist 5- bis 10-mal effektiver als einseitiges Lüften. In 3 bis 5 Minuten ist die gesamte Raumluft ausgetauscht, während die Wände und Möbel ihre gespeicherte Wärme behalten. Nach dem Schließen der Fenster ist die Raumtemperatur daher schnell wiederhergestellt.

Wichtig: Drehen Sie während des Stoßlüftens die Thermostate herunter (auf Stufe * oder Ventil schließen). Sonst heizt die Heizung gegen das offene Fenster an – das kostet unnötig Energie. Nach dem Lüften die Thermostate wieder auf die gewünschte Stufe stellen.

Häufigkeit: 3- bis 4-mal täglich lüften, je nach Raumnutzung und Personenanzahl. In Räumen mit hoher Feuchtigkeitsproduktion (Bad, Küche) nach jeder intensiven Nutzung.

Schimmel vermeiden durch richtiges Lüften

Schimmel entsteht dort, wo Feuchtigkeit auf kalte Oberflächen trifft. Die relative Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen sollte dauerhaft unter 60 % liegen – optimal sind 40–55 %. Ein einfaches Hygrometer (ab 10 Euro erhältlich) zeigt Ihnen den aktuellen Wert an und gehört in jeden kritischen Raum.

Warnsignal: Kondenswasser an den Fensterscheiben am Morgen ist ein klares Zeichen dafür, dass die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist. Besonders kritisch ist das Schlafzimmer: Durch Atmen und Schwitzen gibt ein Mensch pro Nacht bis zu einen Liter Feuchtigkeit an die Raumluft ab. Deshalb ist gerade hier das morgendliche Stoßlüften unverzichtbar.

Weitere wichtige Maßnahmen gegen Schimmel:

  • Möbel mindestens 10 cm von Außenwänden abrücken, damit die Luft zirkulieren kann
  • Keine großflächigen Bilder oder Schränke an schlecht gedämmte Außenwände stellen
  • Türen zu kühlen Räumen geschlossen halten
  • Wäsche nicht in der Wohnung trocknen (oder nur mit offener Fenster- bzw. Lüftungsanlage)

Ausführliche Hinweise zum Umgang mit Schimmelbefall finden Sie in meinen Artikeln zu Schimmel in der Mietwohnung und Schimmel im Schlafzimmer.

Infografik: Stoßlüften vs. Kipplüften – Vergleich von Dauer, Luftaustausch, Energieverlust und Schimmelschutz

Heizkörper optimal nutzen

Heizkörper können nur dann effizient arbeiten, wenn sie frei stehen und richtig entlüftet sind. Zwei einfache Maßnahmen, die zusammen leicht 10–15 % Ersparnis bringen können.

Heizkörper nicht verdecken oder zustellen

Möbel, Vorhänge und Verkleidungen vor Heizkörpern blockieren die Wärmeverteilung im Raum. Die Konvektion – also das Aufsteigen warmer Luft am Heizkörper – wird gestört. Das Ergebnis: Der Heizkörper wird zwar heiß, aber die Wärme kommt nicht im Raum an.

  • Bis zu 15 % Effizienz gehen verloren, wenn ein Sofa direkt vor dem Heizkörper steht
  • Halten Sie mindestens 20 cm Abstand zwischen Heizkörper und Möbeln ein
  • Lange Vorhänge auf Fensterbanktiefe kürzen oder seitlich raffen – sie dürfen den Heizkörper nicht bedecken
  • Heizkörperverkleidungen sind optisch ansprechend, schlucken aber Heizleistung

Reflexionsfolie hinter dem Heizkörper: An Außenwänden montierte Heizkörper strahlen einen Teil ihrer Wärme an die Wand ab, die sie nach außen weiterleitet. Eine Reflexionsfolie (3–5 Euro pro Quadratmeter) reflektiert die Wärmestrahlung zurück in den Raum. Bei ungedämmten Altbau-Außenwänden kann das rund 5 % Ersparnis am jeweiligen Heizkörper bringen. Besonders lohnend in Heizkörpernischen, wo die Wand ohnehin dünner ist.

Heizkörper entlüften – Schritt für Schritt

Wenn Ihr Heizkörper oben kalt bleibt, obwohl er unten warm ist, oder wenn Sie Gluckergeräusche hören, ist Luft im System. Das verhindert die Wasserzirkulation und senkt die Heizleistung erheblich.

So entlüften Sie Ihren Heizkörper richtig:

  1. Heizung auf höchste Stufe (Stufe 5) drehen
  2. 30 Minuten warten, bis sich die Luft oben im Heizkörper gesammelt hat
  3. Entlüftungsventil mit dem Entlüftungsschlüssel öffnen (4-Kant-Schlüssel, Baumarkt: ca. 2 Euro)
  4. Gefäß und Lappen bereithalten – es kommt erst Luft, dann Wasser
  5. Sobald ein gleichmäßiger Wasserstrahl ohne Luft austritt, Ventil wieder schließen
  6. Wasserdruck an der Heizungsanlage prüfen (Manometer sollte 1,0–1,5 bar anzeigen) – bei Bedarf Wasser nachfüllen

Häufigkeit: Zu Beginn jeder Heizsaison und immer dann, wenn ein Heizkörper nicht gleichmäßig warm wird.

Gut zu wissen:
Wenn ein Heizkörper auch nach dem Entlüften nicht richtig warm wird – insbesondere wenn heizungsnahe Heizkörper heiß und weiter entfernte kalt bleiben – liegt die Ursache häufig in einem fehlenden hydraulischen Abgleich. Mehr dazu im Abschnitt „Technische Optimierung der Heizung".

Wärmeverluste vermeiden

Bevor Sie die Heizung optimieren, sollten Sie dafür sorgen, dass möglichst wenig Wärme das Haus ungewollt verlässt. Die folgenden Maßnahmen sind günstig, einfach umzusetzen und oft in wenigen Stunden erledigt.

Fenster und Türen abdichten

Undichte Fenster und Türen verursachen unkontrollierte Zugluft und erhöhen den Energieverbrauch spürbar. Ein einfacher Test verrät, ob Ihre Dichtungen noch intakt sind: Legen Sie ein Blatt Papier in den Fensterrahmen und schließen Sie das Fenster. Lässt sich das Papier leicht herausziehen, ist die Dichtung verschlissen.

  • Selbstklebende Dichtungsbänder: ab 5 Euro pro Fenster (EPDM-Dichtungen halten deutlich länger als Schaumstoff)
  • Türdichtungen / Zugluftstopper: ab 10 Euro
  • Besonders wichtig bei Altbauten: Rollladenkästen sind oft die größte Schwachstelle – kaum oder gar nicht gedämmt
  • Rollladenkasten-Dämmung: 15–30 Euro pro Kasten, reduziert den Wärmeverlust an diesem Bauteil um bis zu 30 %

Rollläden und Vorhänge nachts schließen

Fenster sind die dünnste Stelle der Gebäudehülle. Geschlossene Rollläden reduzieren den Wärmeverlust durch Fenster um bis zu 20 %, weil die stehende Luftschicht zwischen Rollladen und Glasscheibe als zusätzliche Dämmung wirkt.

  • Schwere Vorhänge bringen eine Reduktion von 10–15 % – aber achten Sie darauf, dass sie nicht vor dem Heizkörper hängen
  • Tagsüber Südfenster freihalten, damit kostenlose Sonnenwärme hereinkommt
  • Rollläden bei Einbruch der Dunkelheit schließen (im Winter ab ca. 16:30 Uhr)

Heizungsrohre in unbeheizten Räumen dämmen

Ungedämmte Heizungsrohre im Keller oder auf dem Dachboden verlieren pro laufendem Meter etwa 10–20 Watt an die Umgebung. Bei 10 Metern ungedämmtem Rohr und 2.000 Heizstunden im Jahr sind das 200–400 kWh – unnötig verheizte Energie in Räumen, die gar nicht warm werden sollen.

  • Kosten: 3–5 Euro pro Meter Rohrschalen (Baumarkt, einfache DIY-Maßnahme)
  • Amortisation: häufig unter einem Jahr
  • GEG-Pflicht: Ungedämmte, zugängliche Heizungsrohre in unbeheizten Räumen müssen laut Gebäudeenergiegesetz gedämmt werden – es handelt sich also nicht nur um eine Empfehlung, sondern um eine gesetzliche Pflicht

Technische Optimierung der Heizung

Jetzt wird es etwas technischer – aber keine Sorge: Die hier beschriebenen Maßnahmen gehören zu den wirksamsten überhaupt. In meiner Beratungspraxis sind sie der Bereich, in dem ich die größten Einsparungen erziele.

Heizkurve optimieren – die unterschätzte Spar-Maßnahme

Die Heizkurve ist die Steuerungskurve Ihrer Heizung: Sie regelt, mit welcher Vorlauftemperatur das Heizwasser zu den Heizkörpern geschickt wird – abhängig von der aktuellen Außentemperatur. Je kälter es draußen ist, desto höher fährt die Heizung die Vorlauftemperatur.

Das Problem: Die meisten Heizungen sind ab Werk oder nach der Erstinstallation viel zu hoch eingestellt. Die Vorlauftemperatur liegt oft bei 70–80 °C, obwohl 50–55 °C völlig ausreichen würden. Die Folge: Der Heizkessel arbeitet ineffizient, der Brennwerteffekt verpufft, und die Heizkörper geben unnötig viel Wärme ab.

Die Lösung: 1 Grad niedrigere Vorlauftemperatur spart etwa 1,5 % Heizkosten bei Brennwertkesseln und Wärmepumpen. Bei einer Absenkung von 70 °C auf 55 °C ergibt sich rechnerisch eine Ersparnis von rund 22 % – ohne dass es in Ihren Räumen kälter wird.

Praxis-Tipp aus meiner Beratung:
Die Heizkurve ist die einzelne Maßnahme mit dem größten Gratis-Einsparpotenzial. 10–15 % Ersparnis sind realistisch – und ich habe in meiner Praxis schon Fälle gesehen, in denen allein die Heizkurven-Optimierung über 300 Euro pro Jahr gebracht hat. Die Einstellung erfolgt am Heizungsregler über zwei Parameter: Steilheit (Neigung) und Parallelverschiebung (Niveau). Idealerweise lassen Sie das von Ihrem Heizungsbauer oder Energieberater einstellen – oder Sie folgen der Anleitung in meinem Artikel Heizkosten senken.

Hydraulischer Abgleich

Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper im Haus genau die richtige Menge Heizwasser bekommt. Ohne Abgleich nimmt das Wasser den Weg des geringsten Widerstands: Heizkörper in der Nähe der Heizung werden überversorgt (zu heiß), weiter entfernte Heizkörper bekommen zu wenig ab (zu kalt).

  • Ersparnis: 5–15 %, typisch 100–300 Euro pro Jahr
  • Kosten: 500–1.200 Euro für ein Einfamilienhaus
  • Pflicht: Seit Oktober 2022 für gasbeheizte Gebäude mit mindestens 6 Wohneinheiten (EnSimaV)
  • Förderung: 15 % als Einzelmaßnahme (BAFA), 20 % mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP)
Praxis-Tipp:
Besonders bei Heizkörpern, die weit von der Heizung entfernt sind und nie richtig warm werden, bringt der hydraulische Abgleich sofort spürbaren Komfortgewinn. Die Investition rechnet sich typischerweise in 3–5 Jahren – und sie ist Voraussetzung für viele weitere Förderungen.

Heizungspumpe: Alte Pumpe = heimlicher Stromfresser

Die Heizungspumpe (Umwälzpumpe) transportiert das warme Wasser vom Kessel zu den Heizkörpern und zurück. Alte, ungeregelte Pumpen laufen permanent auf voller Leistung – auch wenn nur ein Heizkörper Wärme anfordert.

  Alte ungeregelte Pumpe Moderne Hocheffizienzpumpe
Stromverbrauch pro Jahr 500–800 kWh 50–100 kWh
Stromkosten pro Jahr 150–250 € 15–30 €
Ersparnis 120–220 € pro Jahr
  • Kosten inkl. Einbau: 300–450 Euro
  • Amortisation: 1,5–3 Jahre
  • Förderung: Als Teil des hydraulischen Abgleichs förderfähig

Nachtabsenkung – sinnvoll oder nicht?

Die Nachtabsenkung ist eines der am häufigsten diskutierten Heizungsthemen. Die Antwort ist nicht pauschal, sondern hängt vom Gebäudetyp ab.

Empfehlung: 2–4 Grad Absenkung nachts (z. B. von 20 °C auf 16–17 °C).

Sinnvoll bei:

  • Schlecht gedämmten Gebäuden (hohe Wärmeverluste nachts)
  • Gebäuden mit konventioneller Heizung (Gas, Öl)

Weniger sinnvoll bei:

  • Gut gedämmten Gebäuden: Die Wärmeverluste sind so gering, dass sich die Absenkung kaum bemerkbar macht
  • Wärmepumpen: Das langsame Aufheizen am Morgen verbraucht bei einer Wärmepumpe mehr Strom als die Nachtabsenkung einspart
  • Fußbodenheizung: Wegen der hohen Trägheit dauert das Aufheizen Stunden – die Absenkung bringt kaum Ersparnis
Meine Faustregel als Energieberater:
Bei Gebäuden mit einem Energieverbrauch über 150 kWh/m² pro Jahr lohnt sich die Nachtabsenkung fast immer. Bei Niedrigenergiehäusern unter 70 kWh/m² eher nicht. Im Zweifel können Sie es einfach ausprobieren: Aktivieren Sie die Nachtabsenkung für eine Heizperiode und vergleichen Sie den Verbrauch mit dem Vorjahr.
Ihre Heizung verbraucht zu viel?
Ich prüfe Heizkurve, hydraulischen Abgleich und Pumpe – und zeige Ihnen, wo Sie sofort sparen können. Erstberatung für 250 € – vollständig anrechenbar auf Folgeaufträge. Oder erfahren Sie mehr darüber, was ein Energieberater kostet.

Warmwasser sparen

Warmwasser macht rund 12–15 % der gesamten Heizkosten aus – ein Bereich, der oft übersehen wird.

Sparduschkopf – der schnellste Spar-Tipp

Ein normaler Duschkopf verbraucht 12–15 Liter Wasser pro Minute. Ein Sparduschkopf reduziert das auf 6–8 Liter – ohne spürbaren Komfortverlust, weil dem Wasserstrahl Luft beigemischt wird.

  • Kosten: 20–40 Euro
  • Ersparnis: bis zu 200 Euro pro Jahr bei einer vierköpfigen Familie (Wasser + Energie)
  • Amortisation: unter 3 Monaten – die rentabelste Einzelmaßnahme überhaupt

Warmwassertemperatur: 55 °C sind genug

Viele Heizungen erhitzen das Warmwasser auf 60–70 °C – das ist unnötig und kostet Energie. 55 °C reichen für den täglichen Bedarf vollkommen aus.

  • Legionellenschutz: Einmal wöchentlich sollte der Speicher auf 60 °C hochgeheizt werden, um Legionellen abzutöten. Moderne Heizungsregler haben dafür eine automatische Funktion.
  • Ersparnis: ca. 5–10 % der Warmwasserkosten
  • Zirkulationspumpe: Falls vorhanden, die Zirkulationspumpe über eine Zeitschaltuhr steuern. Sie muss nicht rund um die Uhr laufen – nur zu den Zeiten, in denen heißes Wasser gebraucht wird (morgens und abends).

Wann lohnt sich der Heizungstausch?

Alle bisher genannten Tipps helfen, das Beste aus Ihrer bestehenden Heizung herauszuholen. Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem ein Heizungstausch sinnvoller ist als weitere Optimierung.

Wärmepumpe, Solarthermie und Förderung

Anzeichen für einen Heizungstausch:

  • Heizkessel älter als 20 Jahre
  • Häufige Reparaturen und steigende Wartungskosten
  • Neue gesetzliche Anforderungen durch das GEG
  • Hoher Verbrauch trotz Optimierung

Förderung 2026: Der Staat fördert den Heizungstausch mit bis zu 70 % Zuschuss über die KfW:

  • Grundförderung (Wärmepumpe, Biomasse): 30 %
  • Klimageschwindigkeitsbonus (bis 2028): 20 %
  • Einkommensbonus (Haushaltseinkommen unter 40.000 Euro): 30 %
  • Maximaler Zuschuss: 21.000 Euro bei einem Einfamilienhaus

Berechnen Sie Ihre individuelle Förderung mit unserem BEG Förderrechner.

Erneuerbare Alternativen: Die Wärmepumpe ist aktuell die häufigste Wahl, aber je nach Gebäude kommen auch Biomasse (Pellets), Solarthermie oder Hybridlösungen infrage. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie in meinem Artikel Welche Heizung ist die richtige?. Speziell für Bestandsgebäude lohnt sich ein Blick auf Wärmepumpe im Altbau. Auch eine Luft-Luft-Wärmepumpe (Klimaanlage) kann zum Heizen genutzt werden – nutzen Sie meinen Klimaanlagen-Simulator, um die Ersparnis für Ihr Gebäude zu berechnen.

Praxis-Tipp:
Schauen Sie nicht nur auf den Anschaffungspreis – mit Förderung und niedrigeren Betriebskosten rechnet sich eine Wärmepumpe oft schon nach 8–12 Jahren. Und die vorherige Optimierung der Heizkurve (siehe oben) zeigt Ihnen, ob Ihr Gebäude schon heute wärmepumpentauglich ist. Die korrekte Dimensionierung erfordert eine Heizlastberechnung, die ich im Rahmen einer Energieberatung für Sie durchführe.
Sie möchten wissen, wie viel Einsparpotenzial in Ihrem Gebäude steckt?

In einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) analysiere ich Ihren Energieverbrauch, identifiziere die wirksamsten Maßnahmen und sichere Ihnen den iSFP-Bonus auf die Förderung. Die BAFA übernimmt bis zu 50 % der Kosten für die Beratung.

Kontakt aufnehmen oder direkt anrufen: +49 156 78 89 59 48

Richtig heizen in der Mietwohnung

Als Mieter haben Sie keinen Zugriff auf die Heizungsanlage oder die Gebäudehülle. Trotzdem können Sie Ihre Heizkosten deutlich senken:

  • Raumtemperatur anpassen – 1 Grad weniger = 6 % Ersparnis
  • Stoßlüften statt Kipplüften – spart Energie und schützt vor Schimmel
  • Heizkörper entlüften – dürfen Sie als Mieter selbst durchführen
  • Möbel von Außenwänden abrücken – mindestens 10 cm für Luftzirkulation
  • Sparduschkopf einbauen – bis zu 200 Euro Ersparnis pro Jahr
  • Fenster abdichten – selbstklebende Dichtungen sind günstig und rückstandsfrei entfernbar
  • Programmierbare Thermostate – bei Auszug einfach Originalventile wieder montieren

Für technische Maßnahmen wie den hydraulischen Abgleich, den Pumpentausch oder die Heizkurven-Optimierung ist Ihr Vermieter zuständig. Sprechen Sie ihn darauf an – und weisen Sie auf die großzügigen Fördermöglichkeiten hin. Viele Vermieter wissen nicht, dass der Staat bis zu 70 % der Kosten übernimmt.

Richtig heizen im Altbau

Altbauten (Baujahr vor 1977) haben deutlich höhere Wärmeverluste als neuere Gebäude – und damit auch das größte Einsparpotenzial. In meiner Beratungspraxis in Franken habe ich es häufig mit Gebäuden aus den 1950er bis 1970er Jahren zu tun. Die typischen Herausforderungen:

  • Keine oder minimale Wärmedämmung an Fassade und Dach
  • Alte Fenster mit hohen Wärmeverlusten
  • Wärmebrücken an Balkonen, Rollladenkästen und Fensterlaibungen
  • Überdimensionierte Heizkessel mit zu hohen Vorlauftemperaturen

Was bedeutet das für das Heizverhalten? Im Altbau ist die Nachtabsenkung besonders sinnvoll, weil die Wärmeverluste nachts erheblich sind. Gleichzeitig ist die Schimmelgefahr durch Wärmebrücken höher – die Mindesttemperatur von 16 °C sollte in keinem Raum dauerhaft unterschritten werden. Die Temperaturdifferenz zwischen Räumen spielt hier eine noch größere Rolle als im Neubau.

Langfristig empfehle ich für Altbauten einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP), der die optimale Reihenfolge der Maßnahmen zeigt – von der Heizkurven-Optimierung über die Dämmung bis zum Heizungstausch. Professionelle Unterstützung bei der Umsetzung biete ich über meine Baubegleitung an.

Checkliste: Heizen Sie richtig?

Prüfen Sie mit dieser interaktiven Checkliste, wie viele Tipps Sie bereits umsetzen – und wie viel Sparpotenzial noch in Ihrem Gebäude steckt:

Heizen Sie richtig?

Prüfen Sie mit dieser Checkliste, ob Sie die wichtigsten Tipps zum effizienten Heizen bereits umsetzen. Jeder Haken spart bares Geld.

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FAQ – Häufige Fragen zum richtigen Heizen

Wie viel spart richtiges Heizen?

20–30 % Ersparnis sind realistisch – bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus entspricht das 400–800 Euro pro Jahr. Die kostenlosen Sofort-Maßnahmen (Raumtemperatur anpassen, richtig lüften, Heizkurve optimieren) bringen oft schon 15–20 %. Mit technischer Optimierung (hydraulischer Abgleich, Pumpentausch) und kleinen Investitionen sind 25–30 % erreichbar.

Soll ich die Heizung bei Abwesenheit ganz ausschalten?

Nein. Die Grundtemperatur sollte nicht unter 14–15 °C sinken. Wenn die Wände auskühlen, braucht das Wiederaufheizen unverhältnismäßig viel Energie – die Ersparnis durch das Ausschalten wird dadurch aufgefressen. Zudem steigt bei kalten Wänden die Schimmelgefahr erheblich. Nutzen Sie stattdessen die Absenkfunktion Ihrer Heizung oder programmierbare Thermostate.

Heizt es schneller, wenn ich den Thermostat auf 5 drehe?

Nein. Der Thermostat regelt die Zieltemperatur, nicht die Heizgeschwindigkeit. Stufe 5 bedeutet eine Zieltemperatur von 28 °C. Der Raum wird nicht schneller warm, sondern nur heißer – und Sie verschwenden Energie. Stellen Sie das Thermostat immer auf die gewünschte Temperatur: Stufe 3 für etwa 20 °C.

Ist Stoßlüften im Winter nicht Energieverschwendung?

Nein – ganz im Gegenteil. Beim 5-minütigen Stoßlüften tauscht sich die Raumluft vollständig aus, aber die Wände, Möbel und der Boden bleiben warm. Diese gespeicherte Wärme heizt die frische Luft innerhalb weniger Minuten wieder auf. Dauerhaft gekippte Fenster dagegen kühlen die Bauteile rund um das Fenster aus – das kostet deutlich mehr Energie und begünstigt sogar Schimmelbildung am Fenster.

Ab wann lohnt sich ein hydraulischer Abgleich?

Bei Heizkosten über 1.500 Euro pro Jahr und einem Gebäude mit mehr als 5 Heizkörpern rechnet sich der hydraulische Abgleich fast immer innerhalb von 3–5 Jahren. Besonders lohnend ist er, wenn einzelne Heizkörper nicht richtig warm werden oder Sie die Thermostate stark aufdrehen müssen. Mit der BAFA-Förderung (15–20 %) amortisiert sich die Investition noch schneller.

Wie erkenne ich, ob meine Heizung schlecht eingestellt ist?

Typische Anzeichen sind: Heizkörper werden unterschiedlich warm (manche heiß, andere lauwarm), die Vorlauftemperatur liegt über 60 °C bei mildem Wetter, Heizungsgeräusche wie Rauschen oder Pfeifen in den Rohren, und Sie müssen Thermostate auf Stufe 5 drehen, damit es warm wird. Auch wenn Ihre Heizkosten deutlich über dem Durchschnitt liegen, ist eine schlechte Einstellung wahrscheinlich. In meinem Artikel Heizkosten senken finden Sie eine ausführliche Anleitung zur Selbstoptimierung.

Richtig heizen in der Mietwohnung – was kann ich selbst tun?

Als Mieter können Sie die Raumtemperatur anpassen, Stoßlüften statt Kipplüften, Heizkörper entlüften, Möbel von Außenwänden abrücken, einen Sparduschkopf einbauen und Fenster mit selbstklebenden Dichtungen abdichten. Diese Maßnahmen allein können 15–25 % Heizkosten einsparen. Für technische Maßnahmen wie den hydraulischen Abgleich oder die Heizkurven-Optimierung sprechen Sie Ihren Vermieter an – und weisen Sie auf die staatlichen Fördermöglichkeiten hin.

Muss ich im Altbau anders heizen als im Neubau?

Ja. Altbauten haben höhere Wärmeverluste, daher ist die Nachtabsenkung hier sinnvoller als im Neubau. Gleichzeitig ist die Schimmelgefahr durch Wärmebrücken höher – die Mindesttemperatur von 16 °C sollte in keinem Raum unterschritten werden, und regelmäßiges Stoßlüften ist besonders wichtig. Im Altbau bringt die Optimierung der Heizkurve und des hydraulischen Abgleichs oft die größte Ersparnis, weil die Anlagen häufig seit der Erstinstallation nie nachjustiert wurden.


Sie möchten wissen, wie viel Einsparpotenzial in Ihrem Gebäude steckt? Als unabhängiger Energieberater in Franken unterstütze ich Sie gerne – von der kostenlosen Ersteinschätzung bis zum geförderten Sanierungsfahrplan. Rufen Sie mich an unter +49 156 78 89 59 48 oder schreiben Sie mir über das Kontaktformular. Ich freue mich auf Ihr Projekt!

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